Warum dieses Projekt?

Die Prinzipien der „Normalisierung“ und der „Selbstbestimmung“ haben dazu geführt, dass Menschen mit geistiger Behinderung stärker als noch vor 25 Jahren an der Gesellschaft partizipieren. Es erscheint paradox, dass sich mit den erweiterten Teilhabemöglichkeiten dieses Personenkreises zugleich die Gefahren für deren Gesundheit ausgeweitet haben. Zwar hat allgemein die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zugenommen, wovon nicht zuletzt auch Menschen mit geistiger Behinderung profitieren, dennoch besteht für diesen Bevölkerungsteil in der Bandbreite der gesundheitlichen Versorgung ein deutlich schlechteres Angebot. Insgesamt scheint es im Bereich der Gesundheitsvorsorge noch Entwicklungsbedarf für die Belange von geistig behinderten Menschen zu geben (vgl. Dorn et al. 2013). So auch im Bereich der Prävention und Behandlung von suchtmittelkonsumierenden Menschen mit geistiger Behinderung. Mitunter wird deren Substanzkonsum nicht als eigenständige Krankheit angesehen, so wie die eines nichtbehinderten Menschen auch, sondern als kausal bedingter Umstand der geistigen Behinderung. Die spezifischen Bedingungen, die sowohl die Genese der Erkrankung als auch deren Therapie entscheidend beeinflussen, sind für Menschen mit geistiger Behinderung nahezu unbekannt.

Für Fachkräfte, die innerhalb der Suchthilfe und der Behindertenhilfe mit substanzkonsumierenden geistig behinderten Menschen zu tun haben, existieren folglich keine Konzepte oder Handlungsanleitungen für die Prävention, Beratung und Therapie. Besonders bei Fachkräften der Behindertenhilfe besteht kein oder kaum spezifisches Fachwissen über die Alternativen zu süchtigen Verhalten.

An diesen Stellen setzt aktionberatung an und entwickelt am Modellstandort Wiesbaden exemplarisch ein Beratungskonzept für diesen Personenkreis.
Es wird ein Beratungshandbuch für Fachkräfte erarbeitet, das Implementationshilfen für die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung enthält. Systematisch werden Informationen, Medien und didaktisch-methodische Materialien gesammelt, bewertet und für die Arbeit eingeordnet. Die spezifischen Rahmenbedingungen, insbesondere die Fort- und Weiterbildung des Fachpersonals werden so strukturiert dargestellt, dass es möglich ist, diese in einem Transformationsprozess in die eigene Arbeit zu integrieren.

Hier können Sie den Projektflyer herunterladen.